Längs-und Querschnitt durch den Mittelteil, Kaserne 1
( 1880 )





Grundriss Kaserne 1





Anbau des Arresthauses, Grund- und Querschnitte ( 1905 )


Die Gutleutkaserne wurde geplant und entworfen als Standartplanung bei der Preußischen Oberbaudirektion Berlin von dem Garnisons- und Bauinspektor F. Bruhns für das Königliche Kriegsministerium Berlin. Sie wurde in den Jahren 1877 – 1879 unter Leitung von A.C. Zacharias auf freiem Feld erbaut. Absicht dabei war, die Frankfurter Bevölkerung nach der Annektierung und Besetzung Hessens durch Preußen im Jahre 1866 besser unter Kontrolle zu halten. Sie sollte als Symbol für „Preußens Gloria" dazu beitragen, das unrühmliche Ende der glanzvollen Unabhängigkeit der Freien und Reichsstadt am Main zu zementieren. Der Name der Kaserne leitet sich natürlich vom Gutleuthof her.
Die Gutleutkaserne folgt architektonisch mehreren historischen Vorbildern, so etwa den oberitalienischen Talburgen des 14. und 15. Jahrhunderts und in näherer Umgebung der Husaren-Kaserne in Wiesbaden-Bibrich von 1884.
Die Kaserne ist ausgeführt nach dem Gebot der Sparsamkeit. Sie war als einer der modernsten, dem damaligen Stand der Technik entprechenden Zweckbauten Frankfurts anzusehen. Zu ihrer Ausführung wurden, wie es bei preußischen Standartplanungen üblich ist, in hohem Masse heimische Baumaterialien herangezogen. Z.B. Hölzer – zum größten Teil Eiche – aus dem Stadtwald, roter Mainsandstein aus der Gegend von Miltenberg oder Marktheidenfeld, Ziegelsteine aus einer Grube in Hainburg und standardisierte Eisenteile – Stützen, Pfosten, Träger, Fenster – aus der ansässigen Stahlindustrie. Als Transportweg wurde in den meisten Fällen der Main benutzt. Die Einbindung der Frankfurter Handwerkerschaft und Industrie unterstützte die Akzeptanz der Preußen in Frankfurt. Interessant ist, dass mit dem Bau der Gutleutkaserne in einer Zeit begonnen wurde, in der das Bahnhofsviertel noch von Wällen und Gleisen mehrerer Eisenbahngesellschaften durchzogen war.Die Kaserne wurde am Südrand des Gleisfeldes des damals als Projekt existierenden Hauptbahnhofs erbaut. Mit Nebenbauten und Höfen betrug die Grundfläche der Kaserne 42.600 m² bei einer Straßenfrontlänge von 260m und einer mittleren Tiefe von 173m. „Die Anlage enthält 3 getrennte Bataillons-Kasernen,
1 besonderes Arresthaus, 1 Exerzierhaus für 1 Regiment, 1 Pferdestall für 28 Offizierspferde, 3 Bataillons-Latrinen von denen 2 nebeneinander erbaut sind, ferner 2 Schuppen für Scheiben, Geräthe usw.", so aus einem Buch des Frankfurter Architekten- und Ingenieur-Vereins von 1886 „Frankfurt am Main und seine Bauten".
Das Hauptgebäude der Kaserne ist an der Straße in einen Mittelbau und 2 Flügel und Zwischenbauten gegliedert. Der Mittelbau und die Flügelbauten bestehen, abgesehen von den Türmen, aus dem Erdgeschoß und 2 Obergeschossen, die Zwischenbauten aus 2 Obergeschossen. Im Mittelbau waren im Erdgeschoss die Wachräume, im ersten Obergeschoss Büros und Wohnräume untergebracht. Im Mittelbau befand sich der durch zwei Geschosse reichende Betsaal, der die ganze Tiefe des Gebäudes einnimmt.
In den Flügelbauten lagen die Wohnräume für Offiziere und Beamte. Ferner für verheiratete und ältere Unteroffiziere. Im östlichen Flügelbau lagen die Offiziers-Speiseräume und die Wohnräume für Mannschaften (10männige Stuben). Die Wirtschaftsräume, Küchen und Vorratsräume, Speisesäle und die Brauseräume waren im Kellergeschoss untergebracht. Werkstätten lagen im Dachgeschoss der Zwischenbauten. Um den Mittelbau gruppieren sich Kaserne 2 und 3, deren Fassaden aus rohem Sandstein bestehen.

Die Gutleutkaserne 2